. .
Illustration

RECHT UND FAIR PLAY

Telearbeit

Die modernen Informations- und Kommunikationstechniken bieten Ihnen ständig neue Möglichkeiten, Ihre betriebliche Leistungserstellung effizienter zu gestalten und neue Märkte zu erschließen. Zu den Chancen verbesserter Leistungsgestaltung in Unternehmen gehört auch die Telearbeit.

Was ist Telearbeit?

Unter Telearbeit wird die Verrichtung von Arbeit durch Arbeitnehmer verstanden, die

  • teilweise oder ganz außerhalb des Betriebes
  • unter Nutzung elektronischer Kommunikationswege per Datenaustausch erfolgt.

Telearbeit kann dabei sowohl in der Wohnung eines Arbeitnehmers, in ausgelagerten Büroräumen oder im Rahmen des Außendienstes eines Arbeitnehmers durchgeführt werden.

Wo können Sie Telearbeit sinnvoll einsetzen?
Telearbeit bietet sich im wesentlichen dann an, wenn es sich bei den Tätigkeiten um die Beschaffung, Verarbeitung oder Weiterleitung von Informationen handelt. Daher können Sie beispielsweise die folgenden Tätigkeiten als besonders "teletauglich" ansehen:

  • Datenerfassung, Datenauswertung und Datenpflege
  • Kundenbetreuung (z.B. Telefon-Hotline)
  • Programmierarbeiten und Softwareentwicklung
  • Recherche und Übersetzungstätigkeiten
  • Buchhaltung, Bilanzierung, betriebliche Kalkulationen etc.
  • Konstruktionsarbeiten (z.B. CAD)
  • Erstellung technischer Dokumentationen, Desktop-Publishing u.ä.
  • journalistische Tätigkeiten.

Außerdem ist der Bereich des Außendienstes (Stichwort "mobiles Büro") ein wesentlicher Anwendungsbereich für Telearbeit.

Welche Formen der Telearbeit gibt es?
Telearbeit kommt in der betrieblichen Praxis in vielen verschiedenen Formen vor, die zum Teil nicht eindeutig voneinander abgrenzbar sind. Welche Ausgestaltung Sie schließlich wählen, sollte von der Art der Tätigkeit sowie der sonstigen betrieblichen Organisation abhängen.

  1. Alternierende Telearbeit
    Diese Form der Telearbeit beruht darauf, dass Ihr Mitarbeiter einen wesentlichen Teil seiner Arbeit außerhalb des Betriebes erledigt. Aufgrund der betrieblichen Notwendigkeiten muss er jedoch regelmäßig im Betrieb präsent sein.

  2. Telehausarbeit
    Bei Telehausarbeit ist die Präsenz Ihres Arbeitnehmers in Ihrem Betrieb nur selten notwendig. Er arbeitet somit fast ausschließlich in seiner eigenen Wohnung.

  3. Satellitenbüros
    Hierbei handelt es sich um die Auslagerung einer hinreichenden Anzahl von Mitarbeitern Ihres Unternehmens in ein gemeinsames Büro außerhalb des Betriebes.

  4. Nachbarschaftsbüros, Telehäuser, Telezentren
    Während bei den Satellitenbüros die Arbeitnehmer demselben Unternehmen angehören, teilen sich in Nachbarschaftsbüros Ihre Mitarbeiter mit denen anderer Unternehmen ein Büro oder einen Bürokomplex. Dabei wird die Büroeinrichtung gemeinsam genutzt.

  5. Mobile Telearbeit
    Mobile Telearbeit kommt insbesondere für Außendienstmitarbeiter in Frage. Die Arbeit wird an den jeweiligen Einsatzorten Ihres Mitarbeiters durch ein mobiles Büro erledigt.

  6. Telekooperation
    Unter Umständen können bestimmte Leistungen eines Unternehmens durch Kooperation mit Dritten auf dem elektronischen Datenwege effizienter durchgeführt werden. Die Telekooperation ist dabei auf die elektronisch vernetzte Durchführung von Leistungen beschränkt.

  7. Off-Shore-Telarbeit
    Im eigentlichen Sinne handelt es sich hierbei nicht um eine weitere Form der Telearbeit. Vielmehr werden bei Off-Shore-Telearbeit Mitarbeiter in anderen Ländern und Kontinenten eingesetzt. Diese Form der Telearbeit kann einerseits durch arbeitsrechtliche Gründe, andererseits durch die Nutzung verschiedener Zeitzonen (24-Stunden-Arbeit) motiviert sein.

Welche Vorteile und Nachteile bietet die Telearbeit?
Zu den wesentlichen Vorteilen der Telearbeit gehört der Zugewinn an Flexibilität bei der Leistungserstellung, die Verminderung von Verwaltungskosten (insbesondere Kosten, die mit der Präsenz Ihrer Mitarbeiter im Betrieb verbunden sind) sowie die Steigerung der Produktivität Ihrer Mitarbeiter durch erhöhte Motivation, verstärkte zeitliche Selbstbestimmtheit sowie geringere Fahrzeiten. Die Nachteile von Telearbeit konzentrieren sich auf arbeitsrechtliche Probleme, mangelnde Mitarbeiterkontrolle, soziale Isolation der Mitarbeiter und mangelndes organisatorisches und technisches Know-how.

Kosten der Telearbeit
Für die Entscheidung, ob Sie Telearbeit einsetzen wollen, ist jedoch relevant, ob sich Telearbeit für Sie langfristig rechnet. Dazu müssen Sie die zusätzlichen Kosten den entstehenden Kosteneinsparungen entgegensetzen. Zusätzliche Kosten ergeben sich insbesondere durch den Anstieg der Telekommunikationskosten. Hinweis: Berücksichtigen Sie, dass allgemein weiter mit einem deutlichen Rückgang dieser Kosten aufgrund des technischen Fortschrittes und der Preisentwicklung auf dem Telekommunikationsmarkt gerechnet wird. Weitere Kosten der Telearbeit können durch zusätzlichen Kontrollaufwand und in der Einführungsphase durch Mitarbeiterschulungen anfallen. In aller Regel müssen Sie weder bei der Büroausstattung - diese muss auch in der Betriebsstätte vorgehalten werden - noch bei den Personalkosten mit einer Kostensteigerung rechnen. Bei den Personalkosten können Sie vielmehr Einsparungspotentiale nutzen, wenn bestimmte Betriebsbereiche ausgelagert und durch Verträge mit Selbstständigen abgedeckt werden können. Kosteneinsparungen ergeben sich weiterhin durch verringerte Reise- und Fahrtkosten. Schließlich können Sie wesentliche Kosteneinsparungen bei den Büromieten durch die Schaffung von Telearbeitsplätzen erwarten, da die Zahl der betrieblichen Arbeitsplätze sinkt und eventuell ein Umzug Ihres Betriebes an einen günstigeren Standort möglich wird. Bei der Kalkulation von Telearbeitsplätzen dürfen Sie jedoch nicht vergessen, welche zusätzlichen Erträge aus der Flexibilisierung des Leistungsangebotes und der Steigerung der Mitarbeitermotivation entstehen können. Unternehmen, die bereits Telearbeitsplätze besitzen, berichten von bis zu 20 Prozent Produktivitätssteigerung der Mitarbeiter.

Welche Probleme müssen Sie bei der Einführung von Telearbeit beachten?
Der entscheidende Punkt bei der Einführung von Telearbeit ist, dass die Form der betrieblichen Leistungserstellung sowohl von Ihnen als auch von Ihren Arbeitnehmern ohne Einschränkungen befürwortet werden muss. Arbeitnehmer, die sich der Telearbeit verweigern, können nicht dazu gezwungen werden. Mit Führungskräften, die das Konzept der Telearbeit ablehnen, können Sie dieses nicht erfolgreich implementieren. Darüber hinaus besteht ein erheblicher organisatorischer und rechtlicher Klärungsbedarf bei der Einführung. Die rechtlichen Probleme beziehen sich im wesentlichen auf arbeitsrechtliche Fragen und Datenschutzanforderungen.

Tipp: Wenden Sie sich an uns, die entsprechenden Arbeitgeberverbände, die Berufsgenossenschaften oder gegebenenfalls einen Rechtsbeistand. Organisatorische Probleme können aus der Umstrukturierung von Arbeitsabläufen und bei der Implementierung eines angepassten Kontrollsystems entstehen. Auch hier sollten Sie sich bei Bedarf an eine Unternehmensberatung bzw. die oben genannten Institutionen wenden. Schließlich ergeben sich gerade bei der Einführung von Telearbeit technische Probleme, die Sie mit entsprechenden Softwarehäusern und Telekommunikationsanbietern erörtern sollten. Um Ihnen bei Ihren Überlegungen zur Einführung von Telearbeit einen Leitfaden an die Hand zu geben, finden Sie in den Anlagen eine Checkliste zur Telearbeit, die Sie unbedingt beachten sollten.

Literaturauswahl zum Thema Telearbeit

  • Reichwald, R., u.a., Telekooperation, 2000
  • Boemke, Burkhard, u.a., Der Telearbeitsvertrag, 2000
  • Klinge, Carsten, u.a., Telearbeit im Mittelstand, 1999
  • Schröer, Evelyn, Zeit- und Telearbeit, 1998
  • AWV, Rechtsfragen der Telearbeit, 1998
  • Voß, Werner, Telearbeit, 1998
  • Bundeswirtschaftsministerium, Telearbeit, 2001


Haben Sie die Arbeitsabläufe in Ihrem Betrieb ermittelt, die sich für Telearbeit eignen?
Hinweise:
- Welche Aufgaben erfordern hauptsächlich konzentrierte Einzelarbeit?
- Sind diese Aufgaben überwiegend mit dem PC zu verrichten?
- Lassen sich diese Aufgaben Ihrer Mitarbeiter delegieren, ohne dass eine unmittelbare Kontrolle notwendig ist?
- Ist Ihr Unternehmen organisatorisch in der Lage, die in Frage kommenden Aufgaben in Form von Telearbeit verrichten zu lassen?
- Sind die Mitarbeiter, welche die für Telearbeit in Frage kommenden Aufgaben erfüllen, mit dem Telearbeitsplatz einverstanden?

Ist Telearbeit für Ihr Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll?
Hinweise:

- Wie ändert sich Ihre Kostensituation durch die Einführung von Telearbeitsplätzen? (Personalkosten, Bürokosten, Reisekosten, Schulungskosten, Telekommunikationskosten, Hardwarekosten)
- Wie hoch schätzen Sie die Produktivitätsgewinne für Ihr Unternehmen ein?

Welche rechtlichen Probleme müssen Sie beachten?
- Können Sie für einen ausreichenden Schutz Ihrer Daten sorgen?
- Können Sie die Einhaltung der arbeitsrechtlichen Bestimmungen garantieren? (nur bei Arbeitsverhältnis relevant)

Haben Sie alle technischen Anforderungen bedacht?
Hinweise:
- Haben Sie die Hardwareausstattung den Erfordernissen des Telearbeitsplatzes angepasst?
- Sorgen Sie dafür, dass der Telekommunikationsanschluss des häuslichen Arbeitsplatzes ausreichende Kapazität besitzt?
- Genügt die von Ihnen gewählte Datenübertragungstechnik den Anforderungen des Arbeitsplatzes?
- Ist der häusliche Arbeitsplatz ausreichend mit Software bestückt?

DOKUMENT-NR. 3676

  • MEHR ZU DIESEM THEMA

  • ANSPRECHPARTNER

  • Telefon: 0761 3858-130
  • Fax: 0761 3858-4130

Kontaktdaten speichern (V-Card)
  • Telefon: 07821 2703 660
  • Fax: 07821 2703 4660

Kontaktdaten speichern (V-Card)