Junge Energie-Scouts helfen im Betrieb, Energie zu sparen

Der Energie auf der Spur
IHK-Workshop macht aus jungen Mitarbeitern Energie-Scouts


Der Klimawandel ist eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung. Besonders Unternehmen sind beim Energiesparen gefragt. Das beginnt schon im Kleinen: Sei es eine Leckage in der Druckluftleitung oder eine unnötig hohe Beleuchtung von Räumen. In einem Workshop der IHK Südlicher Oberrhein lernen Azubis und junge Mitarbeiter in Betrieben, diesen und anderen Energiefressern auf die Spur zu kommen.

Naomi Eckert, Patrick Rötteler und Stefan Wurms möchten Energie-Scouts werden. Ihre Arbeitgeber - LMT Kieninger aus Lahr, Stryker aus Freiburg und die Hans G. Hauri Mineralstoffwerke aus Bötzingen - haben den drei jungen Leuten die Möglichkeit gegeben, am fünfteiligen Workshop der IHK Südlicher Oberrhein teilzunehmen. Drei Theorie-Teile liegen bereits hinter ihnen. Hier erhielten sie zunächst Grundkenntnisse zur Energieeffizienz, sie erfuhren, wie sie ihre Kolleginnen und Kollegen für das Thema sensibilisieren, und sie lernten, welche wirtschaftlichen Vorteile Einsparprojekte bringen. Heute, in den Räumen des IHK-BildungsZentrums Südlicher Oberrhein in Offenburg, wird es praktisch: Mit verschiedenen Messgeräten, manche davon nur mit mehreren Azubi-Monatsgehältern zu bezahlen, kontrollieren die drei Energie-Scouts in spe den richtigen Energieeinsatz.
Zuerst bewaffnen sich die drei mit einem Ultraschall-Lecksuchgerät. „Setzt die Kopfhörer auf und fahrt mit dem Pointer die Druckluftleitung entlang“, erklärt André Olveira das Gerät. „Findet Ihr eine Leckage, erkennt Ihr das am Ausschlag des Zeigers, zudem hört Ihr ein akustisches Signal.“ Da die Leitungen des IHK-BildungsZentrums jedoch alle in bestem Zustand sind und das Gerät keine undichte Stelle anzeigt, hat der Fachberater Energie- und Ressourceneffizienz bei der IHK Südlicher Oberrhein und Leiter des Workshops einen alten Fahrradschlauch mitgebracht. Zentimeter für Zentimeter fährt Stefan Wurms den Schlauch mit dem Pointer ab. Tatsächlich schlägt der Zeiger an einer Stelle aus. „Ich höre ein zischendes Rauschen“, beschreibt Stefan, wie sich das Loch akustisch über die Kopfhörer bemerkbar macht.
Weiter geht es mit der Überprüfung der Beleuchtung. „Die ,Technischen Regeln für Arbeitsstätten‘ legen unter anderem die Beleuchtungsanforderungen für Arbeitsräume und Arbeitsplätze fest“, erläutert Olveira. „Beim Schreiben, Lesen oder der Datenverarbeitung im Büro sollte die Beleuchtungsstärke bei 500 Lux liegen. Beim Prüfen und Justieren in einer Elektronikwerkstatt sind sogar 1500 Lux vorgeschrieben.“ Mit dem Beleuchtungsmessgerät machen sich Naomi, Patrick und Stefan auf den Weg in die Ausbildungswerkstatt des IHK-BildungsZentrums. An einem der Metallverarbeitungs-Arbeitsplätze kontrolliert Naomi Eckert die Lichtverhältnisse. „300 Lux.“ Die ,Technischen Regeln für Arbeitsstätten‘ schreiben, je nach Art der Metallverarbeitung, zwischen 200 und 1000 Lux vor. „Für mittelfeine Montagearbeiten oder die Verarbeitung von leichten Blechen ist diese Beleuchtung genau richtig“, bemerkt Patrick Rötteler beim Blick in die Tabelle. Auf dem Rückweg nehmen die drei die Flurbeleuchtung ins Visier. Das Gerät zeigt 65 Lux an. „Relativ dunkel“, stellt Patrick fest. Doch der Blick auf die Tabelle mit den Beleuchtungsanforderungen zeigt: „Für Verkehrsflächen und Flure ohne Fahrzeugverkehr liegt der Mindestwert bei 50 Lux.“ Die zukünftigen Energie-Scouts stellen fest: Das Licht im Flur ist ausreichend. Mehr noch, hier gäbe es sogar noch Einsparpotenzial.

Nach Messungen der CO2-Konzentration sowie von Temperatur und Feuchte in verschiedenen Räumen dürfen die drei jungen Leute schließlich mit der Wärmebildkamera thermografieren. Olveira: „Je weißer und heller sich der thermografierte Gegenstand auf dem Bildschirm  abzeichnet, desto höher ist die Temperatur.“ In ihren Unternehmen können die Energie-Scouts mit dem Gerät zukünftig undichte Fenster oder uneffektive Isolierungen überprüfen. Der Experte ergänzt: „Gerade interne Wärmelasten, die durch Abwärme von elektronischen Geräten entstehen, lassen sich mit der Wärmebildkamera sehr gut aufdecken.“ Heute probiert die Gruppe den Apparat spielerisch aus: Wie erscheint eine Person auf dem Bildschirm? Wie sieht sie aus, wenn sie sich eine Isolierdecke vor den Körper hält? Spannend wird es beim Thermografieren der großen Edelstahl-Isolierpumpkannen. „Die Kannen erscheinen blau, sie geben also keine Wärme ab“, beschreibt Stefan. Das Bild verändert sich, als Olveira den heißen Kaffee in eine Tasse gießt. Orangerot leuchtet der heiße Strahl auf dem Bildschirm.
„Ich mag diesen praktischen Teil des Kurses“, sagt Naomi Eckert, die bei LMT Kieninger seit Ende des Dualen Studiums als Entwicklungsingenieurin arbeitet. Patrick Rötteler, der bei Stryker im zweiten Lehrjahr eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration macht, bemerkt, wie sehr ihn der Kurs bereits jetzt für Energieverschwendung sensibilisiert hat. Bei Hans G. Hauri Mineralstoffwerke werden bald Energieprojekte in Angriff genommen. „Da kann ich meine neuen Kenntnisse gut anwenden“, freut sich Stefan Wurms, Industriemechaniker-Azubi im dritten Lehrjahr. Bevor die drei aber den Titel Energie-Scout erhalten, folgt noch der fünfte Teil des Workshops. In ihren Unternehmen müssen sie in Abstimmung mit der Ausbildungsleitung ein mehrwöchiges Energieeffizienzprojekt planen, umsetzen und dokumentieren. Bei einem letzten Treffen in der Gruppe stellen sie dieses dann vor. „Ihr könnt Euch jederzeit alle Geräte, die wir heute benutzt haben, ausleihen“, bietet André Olveira an. Er ist überzeugt, dass auch die Firmen, die ihre jungen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Kurs schicken, viele Vorteile von dem Workshop haben. „Die jungen Leute können mit ihrem Wissen zum Energiesparen im Unternehmen beitragen. Zudem kann die Zusatzqualifizierung zum Energie-Scout die Attraktivität des Betriebs für Ausbildungsbewerber steigern.“

Die Energie-Scout-Workshops sind heiß begehrt. Die nächsten freien Plätze gibt es im Workshop ab September. Verschiedenste Ausbildungsrichtungen sind willkommen, eine Spezialisierung wird nicht vorausgesetzt. Kosten: 240 Euro pro Veranstaltungsteilnehmer. Außerdem ist eine In-House-Schulung im Unternehmen möglich. Fragen dazu beantwortet André Olveira, Telefon 0761/3858-267, E-Mail: andre.olveira@freiburg.ihk.de.
25.01.2017